Gabelreparatur XVS 1100

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Gabelreparatur XVS 1100

Beitragvon Teddy » Fr 13. Apr 2018, 20:21

Mein schwarzer Donnervogel humpelt auf einem Bein, ein Unfallschaden des Vorbesitzers an der Gabel wartet auf seine Reparatur...

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Bild 1: Der obere Pfeil zeigt das durch einen Unfall eingedrückte rechte Gabelcover, das beim Einfedern Lackschäden und Riefen an der unteren Gabel (unterer Pfeil) erzeugt hat.


Für eine Instandsetzung muss das rechte Gabelelement ausgebaut werden. Nach Aufbocken des Bobbers und Sicherung mit Ratschenband an einem Haken in der Garagendecke werden die vorderen Bremssättel und die Achse vom Vorderrad entfernt und das Vorderrad raus gezogen. Dann wird das Schutzblech abgeschraubt.

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Bild 2: Um das Standrohr aus zu bauen, werden nur die mit den Pfeilen gekennzeichneten Klemm-Schrauben an den beiden Gabelbrücken entfernt. Danach ist das Standrohr frei und kann komplett nach unten raus gezogen werden (siehe Foto 1). Die beiden Gabelcover oberhalb und unterhalb der unteren Gabelbrücke bleiben dabei zurück.

Als nächstes wird das obere intakte Gabelcover, eine Hülse aus Stahlblech, seitlich entfernt. Es ist ohne Schrauben zwischen den Gabelbrücken eingesteckt und wird nur durch das normalerweise innen durchlaufende Federbein gesichert.

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Bild 3: Um das obere Cover zu entfernen, muss die Lenkkopfmutter gelöst werden. Jetzt kann die obere Lenkerbrücke angehoben werden, um Platz für das Entfernen des oberen Covers zu bekommen.

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Bild 4: Nach Lösen der Lenkkopf-Mutter kann das obere Cover seitlich entfernt werden. Drei Inbus-Schrauben, die das untere Cover halten, kommen zum Vorschein mit einer Metallscheibe und einem Gummi-Element, das Rappelgeräusche des oberen Covers verhindern soll.


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Bild 5: Der untere Gabelteil wird bearbeitet, erst mit grober Feile, dann mit immer feinerem Schleifmaterial, schließlich werden letzte Unebenheiten am elektrischen Schleifbock mit Schleifpaste geglättet.


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Bild 6, Richten des unteren Gabelcovers: Das untere Cover ist arg ramponiert (großer Pfeil) und müsste eigentlich ersetzt werden.


Das simple Blechteil kostet überraschend als Originalteil 189 Euro. Das Cover hat keine tragende Funktion und dient allein der Optik, daher ist es bei dem happigen Preis für ein Neuteil einen Versuch wert, ob die Stauchungen und Dellen beseitigt werden können. Der kleine zweite Pfeil zeigt übrigens die Muttern des hier auf dem Kopf stehenden unteren Gabelcovers, in die die Inbus-Schrauben von Bild 3 greifen. Beim Auseinanderbau habe ich rum gerätselt, wie ich die Cover abmontiert bekomme. Erst wollte ich nach Entfernen des Gabelbeins die untere Hülle demontieren, da ich von unten mit der Taschenlampe die Muttern sah und lösen wollte. Die Muttern sind aber angeschweißt und nicht lösbar. Also unbedingt zuerst die obere Cover-Hülle seitlich entfernen, dann die Inbus-Schrauben lösen und damit auch die untere Hülle ausgebaut bekommen.

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Bild 7: Ein stabiles Metallrohr dient im Schraubstock als runde Unterlage, um mit verschiedenen Hämmern die deformierte Hülse wieder in Form zu dengeln. Ein Abplatzen der Lackierung ist dabei unvermeidlich. Die Arbeit braucht Zeit und Muße, lohnt sich in Anbetracht des gesparten Geldes aber.


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Bild 8: Die Hülse nach erfolgreicher Bearbeitung am Schraubstock. Es folgt die Glättung der unregelmäßigen Oberkante an der Schleifmaschine und die Feinarbeit am Schleifbock. Danach sind Hülse und unteres Federbein startklar zum Füllern und Lacken.


Ursprünglich waren die Teile schwarz glänzend gepulvert worden, was sicherlich besser hält, als jede Lackierung. Das hätte ich aber in Auftrag hätte geben müssen. Da ich keine Lust auf wochenlanges Warten auf die Teile habe und eine kleine Lackierbox mit guten Lackpistolen habe, versuche ich es mit dem Lackieren mit 2-Komponentenlack, bei dem der Härter vor der Verarbeitung zugemischt wird, was zwar umständlicher als der übliche 1K-Lack ist, aber wesentlich besser hält.
Da die Teile ziemlicher Beanspruchung ausgesetzt sind, nehme ich einen 2K-Polyurethanlack, der neben seiner großen Härte den Vorteil hat, dass er nicht wie normaler 2K-Basislack später mit Klarlack zum Glänzen gebracht werden muss, sondern fertig als Glanzlack zu Verfügung steht. Man spart sich also den Arbeitsgang des Klarlackauftrages nach Füllern und Lackaufbringung. Allerdings reicht der Glanzgrad nicht an einen 2K-Basislack plus mehrschichtig aufgetragenen Klarlack heran, ist aber immer noch glänzend genug gegenüber der gepulverten linken Gabel, so dass ich diesen Nachteil gerne in Kauf nehme.

Das fertige Ergebnis überzeugt:
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Re: Gabelreparatur XVS 1100

Beitragvon Speedo! » Sa 14. Apr 2018, 04:59

Saubere Arbeit! :up:
Meine Ansichten haben sich zwar geändert, nicht aber die Tatsache dass ich recht habe.
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Re: Gabelreparatur XVS 1100

Beitragvon pitt216 » Sa 14. Apr 2018, 05:07

ist toll geworden unterschiede sind nicht zu erkennen :up:
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Re: Gabelreparatur XVS 1100

Beitragvon dragimanni » Sa 14. Apr 2018, 05:11

Respekt :up:
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Gruß aus Oberfrangn
suum cuique
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Re: Gabelreparatur XVS 1100

Beitragvon stormbringer » Sa 14. Apr 2018, 07:34

Schaut wieder gut aus.
Gut dokumentiert
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Re: Gabelreparatur XVS 1100

Beitragvon Dragus » Sa 14. Apr 2018, 09:02

:up: :up: :up:
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Re: Gabelreparatur XVS 1100

Beitragvon Alf » Sa 14. Apr 2018, 09:25

Teddy :wow:

Super Ergebnis und sehr gute Beschreibung der Arbeitsschritte.
Kann man den Beitrag nicht auch im DIY-Bereich ablegen (liebe Admins :braue: ),
dann bleibt er schneller auffindbar....
gruß + rinnjehaun
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Re: Gabelreparatur XVS 1100

Beitragvon Ede » Sa 14. Apr 2018, 17:43

Ich hoffe, da wurde mehr gemacht, als nur optisch ausgebessert
Man muss das Leben nehmen, wie es kommt. Aber man muss es nicht so lassen.

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Re: Gabelreparatur XVS 1100

Beitragvon Bernd » Sa 14. Apr 2018, 19:52

@ Ede -- ich wollt nicht meckern aber so eine Verformung an einer so dicken (Material) Gabelabdeckung hat evtl. Folgen am Gabelholm oder weiteren?????????????
ansonsten geiler Bericht und super Ergebnis :hbang:
Gruß aus Potsdam
lebe jetzt!
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Re: Gabelreparatur XVS 1100

Beitragvon Ede » Sa 14. Apr 2018, 20:07

Sieht zumindest so aus, als müsste mindestens der Simmerring neu. Mal abgesehen von Schäden an Gabelbrücke, Lenkkopflager, Lenkanschlag... Aber anscheinend ist das innere Gabelrohr nur schon soweit demontiert, dass es so schlimm aussieht. Trotzdem, ein Anstoß am Cover in der Intensität :?
Man muss das Leben nehmen, wie es kommt. Aber man muss es nicht so lassen.

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